Wenn das Volk den Mut verliert, verlieren die Mächtigen ihr Gewissen

7. 1. 2026 / Arnošt Kult

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Nachts wachte Marx in mir auf. Ich verfasste folgende Thesen:

Grundlegendes Passwort

Wenn das Volk den Mut verliert, verlieren die Mächtigen ihr Gewissen. Mut und Gewissen sind zwei Seiten derselben sozialen Gleichung: Wo Bürger zurücktreten, ist Macht von Verantwortung getrennt.
Und hier entsteht der Hauptwiderspruch unserer Zeit.

Ein neuer "Klassen"-Konflikt

Übersetzt aus dem Tschechischen von Uwe Ladwig

Die klassische Aufteilung der Gesellschaft in Arbeiter, Mittelschicht und Eliten entspricht nicht mehr der Realität des globalisierten Kapitalismus. Der grundlegende Konflikt von heute besteht zwischen den oligarchischen Strukturen und allen anderen, unabhängig von Ausbildung, Beruf oder Einkommen.

Die Mittelschicht merkt oft nicht, dass ihre Position immer fragiler wird und dass ihre Interessen in vielerlei Hinsicht mit denen derjenigen übereinstimmen, die früher als "Abschaum" galten.


Oligarchische Gruppen hingegen konnten nicht nur politische Repräsentation kaufen, sondern auch einen Teil der wissenschaftlichen und medialen Bereiche – also Institutionen, die als Versicherung des öffentlichen Interesses gedacht waren.

Doppelte Oligarchie: national und supranational

Die heutige Welt wird nicht von einer bestimmten Art von Macht regiert. Es gibt zwei Schichten: Eine

supranationale Oligarchie operiert über die Staaten hinweg, nutzt globales Kapital, Steueroasen und supranationale Institutionen, eine nationale Oligarchie ist an einen bestimmten Staat, dessen Gesetze und politische Strukturen gebunden.

Manche Länder haben keine eigenen mächtigen Wirtschaftseliten – und sind daher völlig von multinationalen Akteuren abhängig, die ihren wirtschaftlichen und politischen Raum bestimmen.

Die tripolare Welt und verschiedene Machtmodelle

Die heutige Welt ist nicht mehr bipolar wie während des Kalten Krieges. Ein tripolares System bildet sich, in dem die drei Großmächte – die USA, Russland und China – drei verschiedene Modelle oligarchischer Macht vertreten. In den USA gibt es eine Überwiegung multinationaler Konzerne, einen starken Finanzsektor und einen starken Einfluss von Lobbyarbeit. Russland hat eine durch Privatisierung in den 1990er Jahren geschaffene Oligarchie, die allmählich dem Staat untergeordnet wurde. In China gibt es staatlichen Kapitalismus, bei dem die Oligarchie in die politische Struktur integriert ist.

Historisch haben Großmächte sich ähnlich verhalten: Wenn sie an die Macht kommen, beginnen sie, außerhalb des moralischen Rahmens zu handeln, weil sie es können.

Das galt für Deutschland während des Kaiserreichs, für Frankreich unter Napoleon – und es gilt bis heute.

Europa unter den Mächten


Europa hat seine eigenen Hauptstadteliten verloren. Es gibt einen Abfluss von Kapital-, Technologie- und Entscheidungszentren. Die Ausnahme bildet London, das seine Rolle als Finanzzentrum bewahrt hat, aber selbst das ist heute eher ein Tor zum globalen Kapital als ein Zentrum europäischer Autonomie.
Kleinere Staaten, wie die Tschechische Republik, haben ihre nationalen Oligarchen, aber diese wagen es nicht, mit supranationalen Strukturen in Konflikt zu geraten, da ihre Macht relativ und abhängig ist (siehe zum Beispiel Babiš).

Wie geht man damit um?

Der erste Schritt ist keine Revolution, sondern die Wiederherstellung des bürgerlichen Mutes. Ohne sie kann keine Gesellschaft dem Erosion von Institutionen oder dem Druck oligarchischer Strukturen widerstehen. Ein Angriff auf das Gewissen der Mächtigen – insbesondere derjenigen, die zu Hause am nächsten stehen – ist notwendig – was nur möglich ist, wenn Bürger ihre Stimme, ihr Selbstvertrauen und die Fähigkeit, gemeinsam zu handeln, zurückgewinnen.

Inspiration – Blockfreie Bewegung

Die Bewegung der blockfreien Staaten wurde Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre als Versuch kleiner und mittelgroßer Staaten gegründet, sich vom Druck zweier Blöcke zu befreien. Der erste Gipfel in Belgrad im Jahr 1961 schuf eine Plattform, die bis heute existiert und 121 Staaten und 18 Beobachter zusammenbrachte. Ihr ursprünglicher Zweck war es nicht, mit den USA oder der UdSSR verbunden zu sein.

Heute jedoch hat er sich verändert und seine Rolle verloren. In einer tripolaren Welt kann es eine Inspiration für eine neue Form von Autonomie sein, die nicht auf Ideologie basiert, sondern auf dem Wunsch kleiner Staaten, unter großen Staaten zu überleben.

Transnationale Oligarchie als neuer Kolonialismus

Heute beutet multinationales Kapital nicht nur einzelne Klassen, sondern ganze Nationen aus. Afrika ist das sichtbarste Beispiel: Rohstoffe verschwinden, Gewinne verschwinden, Strom bleibt anderswo.

Abschließende Botschaft


Wenn das Volk den Mut verliert, verlieren die Mächtigen ihr Gewissen – und die Welt wird zu einem Raum, in dem nur die Macht des Kapitals entscheidet.

Die Wiederherstellung des Mutes ist daher der erste Schritt zur Wiederherstellung der Freiheit.


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Obsah vydání | 8. 1. 2026