Australier sagen, sie seien missbraucht worden, nachdem die israelische Armee eine Flottille auf dem Weg nach Gaza abgefangen und Itamar Ben-Gvir sie verspottet hatte

26. 5. 2026

čas čtení 6 minut

"An jeden Aktivisten in der Flotte... es gab mir einfach den Mut, die Brutalität des israelischen Staates mitzuerleben und zu erleben", sagt Zack Schofield

Der Australier Zack Schofield sah hilflos zu, wie israelische Soldaten seine Kollegin aus der Flotte, eine Irin, niederschossen, nachdem sie gefilmt wurde, wie sie "Freiheit für Palästina" Israels Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir zurief.

"Ihre Hände und Füße waren gefesselt und dann wurde sie durch den Rest des Haftanstalt geschleppt, bevor sie sie in einen Gefängnisbus legten,“ sagt Schofield aus Istanbul, nachdem die Aktivisten aus  Israel deportiert wurden.

Übersetzt aus dem Tschechischen von Uwe Ladwig

 

Schofield sagt, dass mit vielen der 428 Mitglieder der Global Sumud-Flotte (eingefügt: Konvoi der Standhaftigkeit) brutal umgegangen wurde, nachdem die israelischen Streitkräfte ihre Schiffe abgefangen hatten, die aus der Türkei mit dem Ziel ausgelaufen waren, Lebensmittel und Hilfe nach Gaza zu bringen.

"Viele Menschen wurden für deutlich weniger eine ähnliche oder schlechtere Behandlung ausgesetzt", sagte eine in Newcastle ansässige Klimaorganisatorin. "in der Gewalt gibt es keine Logik. Es hing wirklich davon ab, was für ein Wachmann vor dir stand."

"Eine sehr durchdachte Gewaltkampagne"

Unter den Personen, die anfangs dieser Woche von den israelischen Verteidigungsstreitkräften festgenommen wurden, befanden sich elf Australier. Die Gefangenen behaupten, sie seien Folter, sexuellen Übergriffen,n Schlägen und dem Beschuß mit nicht-tödlichen Kugeln ausgesetzt gewesen.,.

Israels Botschafter in Australien, Hillel Newman, sagte, die festgenommenen Flottillenmitglieder seien mit "großer Sensibilität" behandelt worden. Er wies die Vorwürfe von Gewalt und sexuellem Missbrauch zurück.

"Von den mehr als 400 Personen in der Flotte wurde niemand verletzt", sagte er am Donnerstag gegenüber ABC.

Alle australischen Aktivisten benötigten nach der Festnahme Erste Hilfe, und drei von ihnen wurden n in ein Krankenhaus in der Türkei gebracht, erklärten Koordinatoren der Flotte. Die anderen Mitglieder der globalen Kampagne sind  mit Prellungen und Abschürfungen fotografiert worden.

Juliet Lamont, eine australische Filmemacherin, sagte Reportern in der Türkei, dass israelischen Soldaten sie sexuell missbrauchen und schlugen. Sie behauptet, dass Soldaten auf ihrem Gefängnisschiff 180 Menschen verprügelten, von denen mindestens 40 Brüche erlitten, während andere mit einem Taser getroffen und ihnen Sedative verabreicht wurden..

"Wir wurden gefoltert", sagte Lamont. Im Oktober 2025 reiste sie mit einer anderen Flotte und behauptete, schon damals sexuell missbraucht wurde. Diesmal war die Gewalt der Soldaten ihrer Meinung nach viel schlimmer.

"Es war eine unerbittliche, sehr gezielte und sehr bewusste Gewaltkampagne, damit sie nicht zurückkehren."

Schofield besteht darauf, dass er sich bereit willig wieder in Richtung Gaza begäbe.

"Jeder Aktivist in der Flottille, egal ob er zurückkehrt oder nicht, hat ein noch mutigeres Herz, nachdem er Zeugen war und die Brutalität des israelischen Staates erlebte", sagt er.

Schofield führte an, dass die  Gewalt begann, als IDF-Schiffe am Montag ihre Schiffe mit humanitärer Hilfe abfingen und die Besatzungen zwangen, die Gefängnisschiffe zu betreten.

Laut Schofield bedrohten bewaffnete Wärter die Gefangenen mit Elektroschockern, feuerten bei der kleinsten "angeblichen Provokation" mit nicht-tödlichen "Gummigeschossen" auf sie, und einige von ihnen bluteten deswegen.

Zwei Tage lang mussten sie in hellgrauen Gefängnistrainingsanzügen auf einem kalten, nassen Boden schlafen, ohne Decken oder Matratzen, "dicht nebeneinander", sagt Schofield. Er schätzt, dass sich in den jedem der offenen Containern vier Personen pro Quadratmeter befanden.

Schofield sagt, die Festgenommenen seien in den Hafen von Ashdod zur Erledigung der Einwanderungsformalitäten gebracht worden und dass sie nach den Anweisungen der Soldaten richteten, bis ein Soldat einen arabisch aussehenden Mann aus der Menge in einen Schiffscontainer zog.

"Wir hörten seine Schreie etwa eine Minute lang, sie waren keine Schreie, die durch Schläge oder dem geschlagen werden verursacht wurden, sondern durch ständigen Druck", behauptet der 27-Jährige.

"Als unsere Leute gegen dieses Geschrei protestierte, nutzten sie es als Vorwand, um mit Gummiprojektilen in die Menge zu schießen."

Sie wurden ins Gefängnis Ktzi'ot gebracht und verbrachten dort zwei Tage, wo Schofield nach seinen Worten seine Hände stundenlang hinter dem Rücken gefesselt hatte. Die Gefangenen wurden gezwungen, die Arme "bis zum Ausrenkten“ über den Kopf zu heben, behauptet er.

Schofield berichtet, dass Gefängniswärter den Zugang von Häftlingen zu Wasser einschränkten und sie zwangen, in schmerzhaften Stresspositionen auf dem Boden zu sitzen oder sie drückten sie, damit einer gegen den anderen drückte.

Er sagt, er hat nie das Gesicht eines IDF-Soldaten oder Gefängniswärters gesehen: Sie waren alle maskiert.

Ben-Gvir wich seinem Blick während der Inspektion aus, sagt Schofield.

"Er führte uns vor und sah immer über unsere Ohren, nie in die Augen. Ich habe versucht, seine Aufmerksamkeit meinem Blick zu erreichen, aber nein... Die Fassade des Mutes ist ziemlich dünn."

Ben-Gvir traf Verurteilungen in Australien und in der ganzen Welt, nachdem er Aufnahmen teilte, in denen er verbal kniende und gefesselte Gefangene angriff.

Kritik traf auch in Israel, wo Premierminister Benjamin Netanjahu zwar das Aufhalten der Flottille verteidigte, seinen Minister aber mit den Worten verurteilte: "Die Art und Weise, wie Minister Ben-Gvir die Aktivisten der Flottille behandelte, entspricht nicht den Werten und Normen Israels."

Schofield sagt: "Er [Ben-Gvir] ist ein großartiges Beispiel für die Politik des israelischen Staates... Es ist sehr, sehr gut, dass er eine so öffentliche Haltung zu humanitäre Freiwillige abgegeben hat."

"Gaza ist dezimiert."

Die Melbourner Studentin Neve O'Connor, ein weiteres Mitglied der Flotte, behauptet, Soldaten sie mit den Knien ins Gesicht und den Bauch, ihren Kopf auf einen Tisch schlugen und sie mit einer Zange an ihren Ohrringe zogen. Sie sagt in dedr Videoaufnahme ihrer Aussage, dass sie während des Ausziehens und der Durchsuchung demütigenden Kommentaren ausgesetzt wurde..

O'Connor sagt, die Wärter zwangen Häftlinge fast jede Stunde, die Zelle zu wechseln, und spielten "psychologische Spiele" mit ihnen, bei denen Gefangene Zeichnungen an den Wänden von Zellen sahen, die ehemalige palästinensische Gefangene hinterlassen hatten.

"Es war eine physische Erinnerung daran, dass wir brutal behandelt wurden, aber im Vergleich zu dem, was die Palästinenser durchmachen, war es nichts", sagt er.

Die australische Jüdin Anny Mokotow schloss sich der Flotte an, nachdem die Weigerung der Bundesregierung, palästinensische Stimmen zu unterstützen, sie frustrierte. Sie sagt, sie wollte einen neuen Weg finden, das Bewusstsein für den israelischen Völkermord in Gaza zu schärfen.

Eine 71-jährige Frau sagt, sie sei auf See über die Nachricht empört gewesen, dass dem oberstem palästinensischem Organ das Auftreten vor der Australian Royal Commission on Antisemitism and Social Cohesion verweigert wurde, das als Reaktion auf den antisemitischer Terroranschlag in Bondi vorgeladen war, bei dem während der Chanukka-Feierlichkeiten im Dezember 15 Menschen starben.

"Gaza wird dezimiert, jeden Tag sterben Menschen", sagt sie.

"Ich habe gespürt, dass... Nur mit meinem Körper kann ich jetzt etwas ändern, denn es scheint, dass niemand fähig ist wirklich zuzuhören."

0
Vytisknout
260

Diskuse

Obsah vydání | 26. 5. 2026